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PROJEKT MILENOTOPIA


Das Projekt Milenotopia ist eine Simulation - eine Vorgehensweise zur Analyse von Systemen, die für die theoretische oder formelmäßige Behandlung zu kompliziert sind. Die verschiedenen Ebenen im Projekt Milenotopia sind unterschiedliche Experimente, die ich an einem Modell durchführe, um Erkenntnisse über das reale System zu gewinnen. Das Modell ist Milenotopia und das System ist die reale Welt.

Das Projekt Milenotopia ist fortlaufend und entwickelt sich in der Zeit durch unterschiedliche Subprojekte, die sich jedoch dem Basis-Kontext unterordnen. Diese Vielschichtigkeit und die unklare Grenze zwischen Realität und Fiktion sind dabei besonders wichtig. Auch ist die Simulation als künstlerisches Ausdrucksmittel für mich keine universelle Sprache, vielmehr ist sie ein Werkzeug, mit dessen Hilfe ich die persönlichen und gesellschaftlichen Spannungen, die eng zusammenhängen, untersuchen kann, und das nicht ohne eine gewisse Selbstironie.

Als erstes fällt die Verbindung zwischen meinem Vornamen - Milen und dem Oberbegriff Milenotopia, sowie auch all seinen weiteren Ableitungen: Milenismus, Milenia, Milenen usw. auf. Das ist nicht so sehr  amüsant, als viellmehr ein Code, der diese Simulation überhaupt erst ermöglicht. So gibt es das Land Milenia, die Einwohner - die Milenen, das Gebirgsmassiv der Mileniten und das milenisches Meer. Weiter geht es mit mystischen Herrschern aus der milenischen Vergangenheit wie Meos dem Großen oder Megamenmon. Etwas theoretischer wird es mit dem Milenismus und ganz gegenwärtig mit dem Nationalen Museum von Milenia (NaMuMi) und dem Internationalen Milenotopischen Institut (I.M.I.), mit M-Tours, Mileniafilms und, nicht zu vergessen mit dem Botschafter von Milenia, Milen Krastev.

Die Diskrepanz zwischen dem Streben nach dem Paradies (der perfekten Ordnung) und dem Scheitern an der Realität prägt wie kaum etwas anderes das Leben jedes Individuums, sowie die gesamte Geschichte der Menschheit. Aufstieg und Fall stehen immer eng beieinander. Darauf versuche ich auch in meiner Arbeit aufmerksam zu machen. Einerseits erinnert Milenia mit seiner „wunderschönen“ Natur an ein verlorengegangenes Paradies, andererseits ist es aber auch ein Ort voller Schatten und gefährlicher Geheimnisse. Das wiederholt sich auch in der jüngsten Geschichte Milenias. Der Botschafter ist eine repräsentative Person, die diese Spannung wiedergibt. Er spricht über Frieden und Liebe, seine Wörter schmecken jedoch oft an Gefahr, Krieg und Größenwahn. Er kleidet sich mit den Attributen des politischen Kitschs, und dann steht er doch in einer dunklen Ecke und erinnert vielmehr an einen Gefangenen.

So ist jede Ebene des Projektes für sich ein kleines Forschungsfeld. Diese sind flexibel und können für sich allein oder in unterschiedlicher Zusammenstellung ausgestellt werden.

M.Krastev

 


Dr. Harald Kimpel
Eröffnungsrede (Auszug)
„HIERundJETZT“
Kulturbahnhof-Südflügel, Kassel, 22. März 2012

...Ganz anders demgegenüber MILEN KRASTEV. Er stammt aus Bulgarien – was ihm aber offensichtlich nicht weit genug entfernt scheint. Ihm reichen die tatsächlichen Herkunftsmöglichkeiten ebenso wenig aus wie die gesamte bekannte Welt- und Kulturgeschichte. Mit seiner künstlerischen Arbeit konstruiert sich eine eigene Vergangenheit: einen imaginären Lebensraum, den er sukzessiv mit Inhalten auffüllt – um ihn schließlich ins kollektive Gedächtnis einzuschleusen. Seine Arbeit am Mythos verweist auf ein Anderswo, auf eine Art paralleler Zivilisation irgendwo. Er praktiziert – um nochmals mit der d13 zu sprechen – „ein Hinausgehen der Imagination über das Hier und Jetzt“.

Der Künstler tritt auf im Habitus des Geschichtswissenschaftlers – oder wird zum Akteur. Er agiert als Forscher der Vergangenheit genauso wie als Repräsentant einer lebendigen Kultur. Als Historiograph des Reiches „Milena“ reiht er sich ein in die Riege mythischer Staaten-Gründer der literarischen Utopie, beginnend mit jenem sagenhaften König Utopos in Thomas Morus‘ gattungsnamensgebendem Staatsroman.

Milen Krastev arbeitet als Konstrukteur an nichts Geringerem als einer kompletten Zivilisation. Schritt für Schritt entfaltet er ein politisch-kulturelles System, das er durch sämtliche existierenden – und wenn nötig noch hinzu zu erfindenden – kulturellen Erscheinungsformen abzusichern sucht. Er tut dies unter Anwendung aller möglicher Beglaubigungsstrategien wie dem Vorweisen von diversen materiellen Zeugnissen, von Lexikon-Artikeln oder minutiösen fotografischen Beweisführungen. Ironisch zelebriert er ein ernstes Spiel mit wissenschaftlichen Verfahrensweisen und Vergegenständlichungsmethoden, mit einem kulturellen Crossover aus simulierten hoheitlichen Akten, sozialen Strukturen, religiösen Ritualen, Dokumenten, Mythen und Artefakten. So wird die Fiktion in die reale Welt eingebaut, bis ununterscheidbar wird, wo die eine aufhört und die andere beginnt.

Hier und jetzt inszeniert Milen Krastev in einem medialen Verbund von Installationen und Performance den Initiationsritus zum „Milenia Club“, zu dessen Beitritt er uns alle auffordert.



2012 Milenia Club – HIERundJETZT, Kulturbahnhof-Südflügel, Kassel










2011 Der Botschafter – Atelierrundgang, Kassel








2010 Seine Exzellenz fragt… – Achtmal alte Brüderkirche, Kassel










2010 Milenia Loves You – Con.Tempo, Varna / Bulgarien






2010 National Museum of Milenia (NAMUMI) – 51° 18´ 49´´ N 9° 29´ 51´´, Kunstverein, Kassel






2009 Milenotopia - SPOSAMI! (Heirate mich!) – Bulgarian connection, Galleria Studio 44, Genua / Italien








2009 Milenograffiti – Atelierrundgang, Kassel






2009 Milenograffiti – passage_09, Universal Cube, Spinnerei, Leipzig








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